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"Selbstmord auf Raten"

Das ist es, was man mir immer wieder unterstellt hat; sei es der Alkohol und die Drogen oder die Magersucht oder mein Talent, daran festzuhalten, was mich nach und nach innerlich fertig macht und in die klinischen Depressionen zurück treibt. Man tut es immer noch, aber man sagt es mir nicht mehr ins Gesicht. Damals habe ich den Film Hunger angesehen, wider der Erwartung ein ziemlich politischer und aussagekräftiger Film. Bobby Sands geht in einen Hungerstreik gegen die Regierung Margaret Thetcher's. Ein Geistlicher fragt ihn, ob er sich umbringen möchte. Und Sands antwortet, dass es Mord wäre, wenn er dabei drauf geht. Die Regierung wäre es, die ihn ermordert hätte, sagt er. 
Kann man es so leicht abtun und sagen, Jo hat sich nicht selbst umgebracht, sondern er wurde von seiner Umgebung und den Missständen umgebracht? Oder ist das nur eine feige Ausrede und der Versuch, ihn im Nachinein zu glorifizieren? Niemand hat ihn gezwungen, sich die Klinge durch die Haut zu rammen. Aber ist es auch widerrum so leicht, zu sagen, es ist seine Schuld? 
Ich trage nämlich Teilschuld an seinem Tod. Und jeder andere seiner Freunde, die nie nachfragten. 

Kommentare:

  1. Niemals. Rede dir niemals ein du seist in irgendeiner Weise schuld.
    Wenn du dich entschieden hast zu sterben, dann kann niemand anderes als du selbst das wieder ändern. Das kennst du leider bestimmt selbst.
    Und was du sicherlich auch weißt, das Menschen, die sich in dieser tiefdepressiven Phase befinden, keinerlei Worte oder Ratschläge und Hilfsangebote annehmen können. Die Verantwortung ihrer Taten liegt nur bei ihnen selbst.
    Bitte denke niemals du seist Schuld. Ohne irgendetwas über deinen Freund zu wissen, maße ich mir einfach mal an die die nervigste Standardphrase ans Bein zu binden. Das hat er nicht gewollt. Und das stimmt.

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  2. Ich habe mir deinen Blog grade ganz durchgelesen. Und ich war so berührt. Während ich diese Worte nur lese, schmerzt es so unglaublich, dass ich mir kaum ausmalen mag, wie es dir gehen muss. Und ich weiß auch nicht, ob es angemessen ist, dir Kraft zu wünschen. Vielleicht ist das einzige, was man dir wünschen kann,
    dass du dir nicht die Schuld dafür gibst, dass du einsiehst, dass es traurig ist, aber wie Marcy schon richtig sagte, seine Entscheidung, auf die wahrscheinlich keine Ratschläge Einfluss gehabt hätten.

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  3. PART2:

    Nun zu diesem Post. Ganz lapidar: Hunger wollte ich mir schon lange ansehen. Da rutscht er in der Liste gleich einmal ein Stück höher!
    Was deine Aussage betrifft... Ich bin einmal so wagemutig und stimme dir teils zu. Ich glaube, dass gerade das eine der wichtigen und richtigen Fragen nach einem Selbstmord sind. Fragen generell. An unsere Gesellschaft, unsere Gesundheit, unsere Freundschaften. Nur zu viel - zu viel davon ist destruktiv. Wie du schon sagtest, die Klinge führte er. Er hat das Schlusswort gesprochen.
    Es sollte nicht darum gehen anzuklagen, Schuld zuzuweisen und sich selber zu geißeln. Es sollte darum gehen zu lernen, zu reflektieren und (ich weiß das ist UNFASSBAR utopisch und naiv und surreal aber-) vielleicht sogar als besserer Mensch hervorzugehen. Wenn auch nur ein bisschen. Ein wenig.

    Und.. noch etwas reißerischer: Aber würde ich mich umbringen und die Menschen um mein Grab würden mich als egositisch, schwach und was man Selbstmörder nicht sonst noch nennt bezeichnen.. Ich hätte das Gefühl ich wäre umsonst gestorben. Würden die Menschen irgendwas daraus lernen und sei es auch nur eine erhöhte Sensibilität... Ich glaube dann würde es dem Tod irgendeine Art von Sinn geben. Würden aber die Angehörigen in Schuld versinken, ich glaube dann täte ich es auch, auch noch im Grab.

    "Ending your life may seem like a way to end the pain… but it doesn’t end it. It spreads it out to other people. People who care about you, people that you might not even know yet… and those people have to live with that pain the rest of their lives. You may not care about that right now but it’s true."

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft Jos Tod aufzuarbeiten. Fühl dich umarmt.

    (Und ich entschuldige mich für diese beiden sehr persönlichen Kommentare. Wenn ich dir zu nahe getreten bin entschudlige ich mich gleich jetzt - das steht mir weder zu noch wollte ich das damit erreichen.)

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Vielen Dank für jeden Kommentar ♥
Ich behalte es mir allerdigs vor, Anfragen auf gegenseitiges Verfolgen etc entweder zu ignorieren, entzürnt zu reagieren oder es einfach zu löschen. Comprende?