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Carcinosinum

Sie war eines dieser bestimme Mädchen. Eines derjenigen, die von ihrer zerbrochenen Familie weg lief, die sie einfach nicht wieder gerade rücken konnte. Nichts, was sie tat, änderte irgendetwas. Nichts, das sie sagte, auch wenn es ein stummer Schrei war. Nichts, was sie nicht gegen sich selbst richtete, hatte Wirkung. Und so lernte sie, wie man die Welt änderte. Man änderte sich selbst. Ihr Körper wurde das Schlachtfeld, das Aushängeschild des Innenlebens der Familie. Überall Kratzer, Wunden, Einschnitte, Sprünge, Risse, Brüche. Höhen und Tiefen, wie Temperaturamplituden war das Familienleben: Manchmal warm, manchmal vereist. Manchmal hungrig und abgemagert, aber auch zu anderen Zeiten üppig und wohl genährt. Manchmal rund, manchmal eckig. Eines Tages lief sie weg, und kam nie wieder nach Hause. Das zu Hause war nicht mehr das, was es einmal war. Sie lebte geschlagene 14 Monate in einer Klinik, zwischen Angel und Tür, niemals dort, aber auch niemals da. Dann lebte sie in einem Heim. Dann bei irgendwelchen Männern, die in der Nacht ihre Wunden verschlossen. Sie lag wach, als ihre Wunden mit stechenden Fingern zurückverfolgt wurden. Die zerklüfteten Einbuchtungen ihrer Vergangenheit wurden eingekesselt und mit Lippen geküsst, als wären es Trophäen. Sie war eine Lücke, die jeder misste. Ihre Augen waren weiter weg von einer Kindheit, als ihr Herz von der Hoffnung. Gebete sprangen von der Klippe ihrer Lippen wie Lachen; sie glaubte nicht an sich, aber in Jesus mehr als alles andere. Zu viele Dinge hatten sie in die Knie gezwungen. Auch wenn der Spachtel die Löcher in ihr nur unnatürlich und kurzfristig schließen konnten, und so fremd erschienen, hielt es sie immerhin fest und zusammen, bevor sie zerbrechen konnte. Destruction is a form of creation, sagte sie oft.
Sie sagte es. Sie war eines dieser bestimmten Mädchen. Sie war es.
Ich vermisse sie. 

Kommentare:

  1. Woher kennst du dieses Mädchen?
    Bist du dieses Mädchen?
    Wie geht es dir?
    Drück dich<3
    Pass auf dich auf

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  2. "Destruction is a form of creation."
    Ich weiß nie wirklich, was ich von diesem Spruch halten soll. So oft war er mein Motto, mein Leitmotiv. Immerzu habe ich es gedacht, wenn ich wieder leichter auf der Waage stand, wenn ich mit Prickelnadeln erst neue Löcher in den Gürtel, dann in meine eigenen Hände stach. Destruction is a form of creation. Ja. Wie oft habe ich Träume zertrümmert, mein Leben zerstört, Beziehungen gekappt, alles niedergerissen. Und ich war kreativ, was das anbelangte. Ich habe einen Scherbenhaufen kreiert. Und nun stehe ich vor diesem Scherbenhaufen, lege den Kopf schief und frage mich: Ist das Kunst? Oder nur kaputt?

    Um ehrlich zu sein habe ich den Glauben daran verloren. Das ist keine Kunst. Das ist keine Kreation. Das ist Zerstörung. Und irgendwann ist alles zu kaputt, um irgendwie noch Kunst zu sein.

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  3. Hey Elena,
    schön von dir zu hören.
    Denn ich hab dich irgendwie voll vermisst.

    Ja also in dem Buch geht es vorrangig an Betroffene Frauen oder wie in diesem Buch gesagt an die Überlebenden. Das Wort find ich treffend, denn irgendwie haben wir ja überlebt.
    Mir gefällt es sehr, weil dort Erfahrungsberichte von Betroffenen, in kurz, mit einfließen.
    Es tut manchmal unglaublich gut zu spüren das man nicht allein ist mit dieser Qual.
    Ma sehn wie es damit weitergeht.

    Akzeptanz ist so ein schöner Begriff. So neutral, irgendwie. Wenn mir mein inneres Chaos manchmal nicht so in rage bringt, denke ich kann ich meine Mutti akzeptieren. Aber die Akzeptanz muss neutral sein, sonst verliere ich mich wieder in dem was Mutti mit mir machte.
    Ich wollte ihr mal verzeihen, doch verzeihen kann man erst bei EINSICHT und davon hält meine Familie nichts.
    Ich wollte auch mal mir selbst verzeihen, doch auch daran bin ich gescheitert...bis heute.

    Jetzt zu Amy und Kai...Oje. Die halten mich ganz schön auf trapp' .
    Und die beiden sind nicht mehr allein. Aus Amy und Kai herraus sind noch 4 weitere Kinder entstanden. Kinder die bislang gut verdeckt wurden von den beiden.

    Warum Amy und Kai Erwachsen werden sollen?
    Na meine Therapeutin sagt das die beiden feststecken... darum vielleicht.
    "Ich glaube, eine Amy ist so der Ausgleich, der die "Familie" zusammen hält."
    Wie meinst du das? Welche Familie?

    Amy und Kai sind Grad ruhig.
    Jetzt ist die Erwachsene am arbeiten, was auch in letzter zei oft dazu führ das ich aufgeben könnte...

    Die Klinik am Waldschloesschen soll eine der besten Traumakliniken sein.
    Ich bin ma gespannt. Auf jeden Fall baut diese stationäre Therapie auf der jetztigen ambulanten auf.

    Wie geht es mir?
    So richtig kann ich es gar nicht beschreiben. Es ist ne ständige Achterbahn in der ich sitze.

    Ja wie geht es dir? Wie sieht es aus mit Jo? Vermisst du ihn noch sehr?
    Wie geht es Ronnie?
    Ich hab dich lieb<3

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  4. Dein Blog ist wunderschön. Das Design, der Schreibstil.. einfach wow!

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  5. Gott.
    Warum zum Teufel kannst du nur so wundervoll malen? Die Nase ist ein Traum. haha veriss es (nein ehrlich die Nase und überhaupt. ach )
    Aber man. Ich will das auch so können.
    Hab ich schon gesagt, dass das Bild der hammer ist :D

    Das Mädchen bist du nicht wahr.
    Ein schockierender Text.
    "Destruction is a form of creation"
    Ich mag das. Die Aussage.

    Oh und es ist so gar nicht schlimm ja.
    Ich freue mich einfach so wenn du mir antwortest.
    Egal wann.

    Ja. Sie waren aushaltbar. Ich habe vielleicht keine Hoffnung mehr, habe erkannt das unsere Welt verloren ist. Aber weißt du, ich denke ich habe gelernt. Gelernt mich auf mich selbst zu konzentrieren. Ich erwarte nichts mehr. Ich weiß was passieren kann.
    Du hast recht. Man spiegelt sich in anderen Menschen. Jeder noch so unbedeutender Niemand verändert uns. Irgendwie.
    Ich hoffe das ich diesen Weg irgendwann finde.

    Oh findest du? mhm.
    Danke. Danke dir so. Gosh. Du bist viel sympathischer ja.

    Liebe.

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  6. Du bist eine Künstlerin, weißt du das? Die mit ihren Worten Schlösser baut und die Wände mit ihren Gefühlen bemalt.

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  7. Ich war wieder voll drin.
    Ich muss schon sagen, du umschließt einen mit der Art wie du schreibst.
    Der Verlust tut mir Leid, ich musste ihn erst selbst vor kurzem machen, leider..

    ♥♥♥

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  8. ich habe schon lange nicht mehr so einen großartigen, fabelhaften blog gelesen. ich habe durch dein blog gestöbert, und viele texte von dir durchgelesen. sie machen mich allesamt sprachlos. die art wie du schreibst ist so selte. du zeichnest mit deinen worten das bild deines Lebens. Wäre dieser Blog ein Roman würde ich es mir kaufen. ich bin immer noch ganz fesselt von deinen Worten. Sie lassen mich einfach nicht los.

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  9. Doch.
    Du zeichnest wundervoll.
    Etwas so wiedergeben zu geben wie es ist,
    die Schönheit einzufangen.
    Das ist wundervoll.

    Oh das tut mir leid.
    Ich glaube ich sollte jetzt etwas aufbauendes schreiben.
    Aber in sowas bin ich wirklich nicht gut mhm.

    Was ohne Hoffnung bleibt, ich weiß es nicht.
    Ich bin glücklicher.
    So vollkommen urchgeknallt das auch klingt.
    Ich erwarte nichts mehr. Werde nicht mehr enttäuscht.

    Und danke. Danke. Danke.
    Deine Worte bedeuten mir so viel.
    Mehr als ich ausdrücken kann.

    (Aaarg. Meine 'd' Taste klemmt. Haha. Stell dir bei jedem 'd' das fünf mal draufhauen auf diese doofe Taste vor määäh.)

    Liebe.

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Vielen Dank für jeden Kommentar ♥
Ich behalte es mir allerdigs vor, Anfragen auf gegenseitiges Verfolgen etc entweder zu ignorieren, entzürnt zu reagieren oder es einfach zu löschen. Comprende?