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Gone

Vor unserem Küchenfenster stand ein Baum, der mir nie so richtig aufgefallen ist. Seine Rinde war leicht grau, teilweise weiß, mit grünen Punkten überwuchert. Seine Blätter fehlten, aber das schon das ganze Jahr über. Flechte, ja genau, so heißt das.Vor einigen Tagen - vor dem Wintereinbruch - haben sie ihn gefällt. Das Hässliche, das aus der Reihe und dem Ideal fallende wird einfach weggesägt. Was nicht passt, wird passend gemacht. Ich sitze mit einer Tasse Tee am Küchentisch, starre nach außen, und bemerke nach Tagen seiner Abwesenheit zum ersten Mal, dass er nicht da ist. Kein Schnee auf seinen Ästen, die ihn unter der schweren Last nach unten zwingen. Warum haben sie ihn im Winter gefällt und nicht wie alle anderen verdammten Bäume erst im Frühling? Hat er die Gesellschaft irgendwie gefärdet? Wenn er selbst zusammen gebrochen wäre, wäre er dann auf das Haus gefallen und hätte es das auch mitsamt den Insassen zum Einsturz gebracht? Dieser Baum, er war für mich nie besonders, er ist mir nie aufgefallen - erst seine Absenz nimmt einen Platz in meiner Wahrnehmung ein. Er wurde erst wichtig, weil er plötzlich weg ist. Ich starre stundenlang hinaus, ohne zu merken, dass es plötzlich dunkel ist. Die Tage sind ja so schnell vorbei! Sie fliegen vorbei, und einige Zeit später fällt einem das erst auf, weil die Tage eben schon weg sind. Es sind nur noch die Straßenlaternen, die leuchten, und Licht in die Sache bringen. Sie sind beständig, bei ihnen kann man sich sicher sein, dass sie auch noch morgen dort stehen. Und einem den Weg weisen. Ich gehe raus, dick verpackt in zwei Pullover, einer Daunen-Jacke und Strumpfhose, Hose und drei Schichten Socken. Ich wandere ein bisschen auf und ab, lasse meine Gedanken mit den Schneeflocken schwingen, und bleibe schließlich auf einer Parkbank sitzen. Eine Träne kullert mir über die Wange. Ich trauere um den toten Baum. Weiß nicht einmal, wo sie ihn hingebracht haben. Als ich wieder nach Hause komme, erwartet mich Anna. "Wo warst du", fragt sie. Weg, antworte ich.
Maybe in another life
I could find you there
Pulled away before your time
I can't deal it's so unfair
Gone Away - The Offspring

Kommentare:

  1. Laut dem Klappentext ist es eine Milieustudie - ich bin auf jeden Fall schon wahnsinnig gespannt, dass J.K. eine große Erzählerin ist steht außer Frage.. Mal sehen wie es nun um Charakterstudien steht. :)

    Ich kann nur wieder und wieder sagen, dass es mir Leid tut, dass deine Weihnachtszeit so verlief. Ich glaubte - hoffe! - im ersten Moment wirklich, dass dein Suizid-Post nur eine Erzählung wäre. Ausgedacht, wie andere Geschichten. Keine Nacherzählung. Wohl die naive Hoffnung solche Dinge würden niemals jemanden wirklich passieren.. Naiv. (Fühl dich an dieser Stelle mal gedrückt. Nach wie vor schick ich dir mental ganz viel Kraft.)
    Und ich glaube du bist etwas zu bescheiden, du bist eine große Erzählerin und schaffst es so durch diese kleine Baum-Parabel etwas sehr Großes zu fassen, ohne es dem Leser durch Moral aufzuzwingen... Das ist ein Talent und ich würde mir nur allzu gerne eine Scheibe davon abschneiden!
    (Jetzt muss ich nur noch herausfinden warum Blogger dich nicht auf meinem Dashboard anzeigt - werde ich dir als Leserin angezeigt?)

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  2. Hey du :)
    ich muss leider (mal wieder) meine URL ändern, wegen Verdacht, es Lesen Menschen aus meiner Umgebung mit, die auf meinem Blog (ehml. „Do you know what’s worth fighting for? “) rein gar nichts zu suchen haben.
    Löschen wollte ich ihn aber auch nicht. Stattdessen, neue URL und Name.
    Ich wollte dir nur kurz Bescheid sagen, weil du ja Leser bei mir bist und ich hoffe, du liest den Blog auch weiterhin, natürlich wenn du möchtest. Würde mich sehr freuen <3
    liebe grüße

    http://leave-this-hurricane-of-fucking-lies.blogspot.de/

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Ich behalte es mir allerdigs vor, Anfragen auf gegenseitiges Verfolgen etc entweder zu ignorieren, entzürnt zu reagieren oder es einfach zu löschen. Comprende?