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Peaches and Cream

Es gibt ja immer so Psychologen-Theorien, dass man sich immer die Lover anlacht, die den Vaterkomplex kompensieren und man sich den Freund immer nach dem Vater-Bild aussucht. Ich kenne meinen Vater nicht, ich habe ihn nie gesehen und ich kenne nicht einmal seinen Namen. Aber manchmal, da wünsche ich mir, einen gehabt zu haben. Und zwar einen wie John Butler. Früher fand ich John Butler heiß, aber mittlerweile ist er irgendwie so etwas wie eine Vaterideal-Rolle geworden. Ich wünschte, ich hätte einen vater wie John Butler. Ich wünschte, er hätte Peaches and Cream für mich geschrieben. Ich wünschte, ich wäre seine Cream. Ich wünschte, er würde so über mich reden. Ich wünschte, er würde jedes Mal diese Widmung bei jedem verfickten Gig sagen, bevor er dieses Lied spielt. Ich wünschte, er würde es noch in 20 Jahren tun, und immer noch dieselbe Leidenschaft in diese Worte legen und Tränen in den Augen haben, wenn er die Akkorde anschlägt. Ich wünschte, ich hätte sein Leben in all seinen Grundfesten erschüttert, wie seine Tochter es tat, als sie in seine Hände fiel. Ich wünschte, ich würde ihm das bedeuten, was sie ihm bedeutet. Ich wünschte, er würde so von mir sprechen. Ich wünschte, er würde mich als das Beste in seinem Leben sehen. Das, was ihn an das Gute in der Welt erinnert. Ich wünschte, ich hätte einen Vater wie John Butler.

Man vermisst, was man nie hatte. Aber es gibt trotzdem einen positive Aspekt, wenn es darum geht, dass ich nie einen Vater hatte: Ich kann ihn mir flexibel formen zu dem Menschen, den ich mir insgeheim wünsche. Komplett abseits der Realität und Wahrscheinlichkeit. Ich kann mir vorstellen, dass mein Vater wie John Butler ist, weggehen musste, weil ihn sein Künstlerleben dazu zwang, und dass er nun jeden Abend in einem Bett irgendwo auf dieser Welt liegt und an mich denkt; dass er für mich viele Songs geschrieben hat und ihm jedes Mal die Tränen in den Augen stehen, wenn er sie singt. Jeden Tag.

Kommentare:

  1. Ich sehe ihn leider selten. Er wohnt etwas entfernt von uns, weswegen wir uns meist nur auf Familienfeiern begegnen, zu denen er in letzter Zeit auch eher selten kommt. Und wenn, sind seine Eltern halt immer da...

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  2. Schöner Blog! Lust auf gegenseitiges Verfolgen? <3<3

    Spaß beiseite (wie gut ich diese Anmerkung deinerseits allerdings verstehe - wetten du wirst dennoch Anfragen bekommen?), zurück zum Thema.
    was den Tod betrifft.. Ich hatte bisher das Glück keinen wirklich nahestehenden Menschen zu verlieren. Tiere ja, aber das ist etwas anderes, so sehr ich sie auch liebe. Letztes Jahr aber verstarb meine Professorin die ich sehr, sehr bewundert habe. In dem Ausmaß von "Wenn ich 60 bin will ich so sein wie sie." Das traf mich dann doch. Und es folgten einige Gedanken zum Tod. Ich erlaube mich einmal selber zu ziteren...
    "„Als ich zuletzt auf dem Begräbnis meiner Professorin war fiel mit auf… Und ich weiß, der Gedanke ist albern, weil er so klar und logisch ist aber… Mir wurde das erste Mal bewusst, dass alle Menschen die ich kenne sterben werden.“ Ich halte kurz inne, spüre wieder die Traurigkeit die in meiner Brust aufsteigt wenn ich daran denke, dass wirklich niemand überleben wird. Dass es letztendlich nur eine Frage der Zeit, wann sich die einzelnen Verluste einstellten. Jasmin, die sich einem Barockdruck mit schwerem Goldrahmen zugewandt hatte, blickt über ihre Schulter zu mir. „Ja. Ich weiß. Vielleicht wirst du einmal auf meinem Begräbnis sein. Oder aber ich auf deinem.“ Eines von beidem. Das ist ganz sicher. Freunde wie wir sind. Die Lippen fest aufeinander gepresst atme ich durch meine Nase tief ein. „Irgendwie macht mich diese Tatsache unheimlich traurig. Und irgendwie macht es mich unheimlich glücklich.“ Dabei glaube ich an gar kein ewiges Leben. Aber ich glaube doch, dass mit dem Tod alle in die gleiche Richtung gehen. Niemand wird alleine zurück bleiben. Zumindest nicht für immer."
    Inzwischen denke ich es ist tröstlich. Natürlich ist es richtig zu trauern, zu hinterfragen und Schlüsse zu ziehen.. Aber naiv oder kaltherzig würde ich es nicht nennen, wenn man dann weiter geht. Der Tod bleibt ein Mysterium und der Wunsch zu sterben seitens eines so jungen Menschen ist die allergrößte Tragik- aber er kommt für uns alle, so oder so. Und bis dahin sollten wir unser Leben leben. Und lernen. Ersatz wird Jo nie finden, aber irgendwann findet man einen Weg mit dem Schmerz umzugehen. Irgendwann überwiegt die liebevolle Erinnerung und nicht mehr die fragende Trauer. (Ich hoffe das hat dich jetzt nicht hinunter gezogen, das wäre nicht Sinn der Sache.<3)

    Was den Post angeht... Ich hoffe du weißt, dass du einen solchen Vater wie ihn verdient hättest.
    Ich hatte vor kurzem, als ich einen wilden Streit mit meiner Mutter hatte ähnliche.. Vatersehnsüchte, will ich fast sagen. Einfach der Gedanke daran jemand anderen zu haben zu dem man gehen kann. Mehr Liebe im Leben. Und ganz ehrlich, einfach eine Erfahrung die man nie haben wird. Eine Vater-Tochter-Beziehung. Aber so hart es ist, ich denke es ist wichtig im Auge zu behalten, dass es nie nie nie unsere Entscheidung oder Schuld war.
    Auch wenn das den bittersüßen Schmerz den solche Lieder mit sich bringen kaum lindert.

    (Und entschuldige diesen Monsterkommentar, ich hab richtig Angst ihn abzuschicken und zu sehen wie lang er geworden ist! :D)

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Vielen Dank für jeden Kommentar ♥
Ich behalte es mir allerdigs vor, Anfragen auf gegenseitiges Verfolgen etc entweder zu ignorieren, entzürnt zu reagieren oder es einfach zu löschen. Comprende?