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Katharsis

Ein bisschen überreagieren - amorisierender Trennungsschmerz. Um den überwältigenden Schmerz und Gefühlsüberdruss der letzten Wochen zu überkommen und das erbarmungslose Verzweiflungs- und Verlustgefühlschaos zu kompensieren, verschenke ich mein Herz jeden Tag neu: Verliebe mich in den Postboten, der mich anlächelt, wenn er mir die bunten Rechnungsumschläge in die Hand drückt. In den Kerl neben mir an der Ampel mit einem subtilen Hauch von Aftershave und Hygieneartikeldünsten. In die Mittzwanzigerin, die den Kippenstummel aufhebt, nachdem sie zu Ende geraucht hat. In Chris von FJØRT mit dem mega Bart, der mir heute Abend die aufgerauhte Haut mit feuchtigkeitsspendender Spucke therapiert. In den Typen, der mir mehr Trinkgeld gibt, als er überhaupt trinkt.
Man verliert Menschen nicht - man findet sie nicht in der Sofaritze zwischen einem Snickers und den verlorenen Fernbedienungsbatterien. Man lebt sich auch nicht auseinander, wenn man nie beieinander war. Das ist wie der Witz, bei dem sich zwei Parallelen treffen. Und die Pointe war irgendwie auch schon lange vorbei, bevor wir überhaupt lachen konnten. Wenn Menschen sterben, so habe ich festgestellt, gehen sie und bleiben, denn sie wurden nie gefragt. Aber wenn Menschen einvernehmlich aus deinem Leben treten, verlassen sie dich wirklich, weil sie sich dafür entschieden haben. So zumindest die These. Ganz wie das Gefühl, wenn die Liebesbeziehung zwischen Whatsername und Jesus of Suburbia fast plötzlich mit dem Satz Forgetting you but not the time nachhaltig ausklingt.
Manchmal ist man offenbar nicht genug, um jemanden zum Bleiben zu bewegen.Wenn sich die vermeintliche Liebe  als Todgeburt herausstellt - und du alleine hast sie abgetrieben. Undruchdringbare, unnachgiebige Dunkelheit, gegen die man läuft. Nur die Nacht scheint dunkler und fester zu sein als die Luft, die dich nährt. Lange genug in die narkotisierende Luminanz des Mondes schauen, bis ein zweiter Mond über das getrübte Firmament und die Netzhaut tanzt. Ein Falschbild oder doch nur das schlechte Gewissen, wenn ich dich jetzt ansehe und aus Scham auf die neutral weiße Wand neben deinem Gesicht schaue und sich mir all die Farbkreise aufzeigen, die die letzten zwei Jahre geprägt haben. Schwarz vor Augen und komplett irregeführt komme ich immer wieder zurück.

http://youtu.be/iqtaezwZBpc

Kommentare:

  1. WHAM!
    Wortgewalten, Weisheiten und Wahrheiten

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  2. Manchmal will ich einfach nur die gesamte Stadt mit deinen Worten tapezieren; überall eine Spur des "amorisierenden Trennungsschmerzes" hinterlassen und den Mann an der Ampel mit denselben Augen sehen; den Postboten mal in die Augen sehen und einfach sehen, wie schön die Welt sein kann, wie schön auch Trennung sein kann. Auch wenn du schreibst, dass dieser Mensch (ist es übrigens Jules?) "einvernehmlich" aus deinem Leben getreten ist, wirkst du doch sehr getroffen. Aber ich bin zuversichtlich - du ziehst aus jedem Schmerz Stärke, so wie ich dich kenne.

    Jarik (:

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    1. “Neque porro quisquam est, qui dolorem ipsum, quia dolor sit, amet, consectetur, adipisci velit”
      oder wie war das gestern? ;)

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    2. Das an einem Sonntagmorgen (oder jedem anderen Morgen auch) lesen zu können ist furchtbar schön und bekräftigend! Ja, ich spreche von Jules...
      Cicero ftw! aber Faulkner: "Between grief and nothing, I will take grief."

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  3. Manchmal ist man offenbar nicht genug, um jemanden zum Bleiben zu bewegen.
    Word.
    zum Nichtrühren zu rühren.

    aber ist man selbst nicht gut genug oder der andere nur zu viel?

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  4. wo wohnst du dann jetzt? Wie geht es dir?

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  5. diese Dunkelheit, die du beschreibst, kann ich sehr gut nachvollziehen, auch das trügende Falschbild, aber warum hast du ein schlechtes Gewissen?

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  6. ich kann jedes Mal keine Worte finden, wie sehr mich deine Worte berühren und vor Augen führen.

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  7. Was meinst du mit "Schwarz vor Augen und komplett irregeführt komme ich immer wieder zurück."?

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Vielen Dank für jeden Kommentar ♥
Ich behalte es mir allerdigs vor, Anfragen auf gegenseitiges Verfolgen etc entweder zu ignorieren, entzürnt zu reagieren oder es einfach zu löschen. Comprende?