Deinen Vater hast du nie kennen gelernt, weil er dich und deine Mutter einfach im Stich gelassen hat, wie kannst du da von Liebe ausgehen? Deiner Mutter war der Alkohol wichtiger als du, wie kannst du da von Liebe sprechen? Das Wort Liebe gibt es ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr in deinem Wortschatz. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt meinst du, dass Liebe nicht existiert. Du siehst sie, diese roten Herzen am Valentinstag, und fragst dich, warum Menschen es nötig haben, sich ihre Liebe zu beweisen. In deinen Ohren hört sich "Liebe beweisen" an, wie sich in einer Prüfung beweisen, um in einen bestimmten Club oder eine bestimmte Gruppe zu kommen. Der Club derjenigen, die behaupten, zu w i s s e n, was Liebe ist, obwohl sie sie doch allerhöchstens gespürt haben! Du siehst sie, die Besserwisser, wie sie ihre Hintern zu Coldplay aneinander reiben wie Bäume, die vom Wind gefickt werden. Du wächst in einem Haushalt auf, in der die Liebe zu Jesus so groß zu sein scheint, dass für dich kein Platz mehr ist, und der Lebensinhalt deiner Mutter besteht darin, sich jeden Tag das Blut Jesu anzunehmen und den Rachen hinunter zu schütten. Die Gedanken schießen dir in den Kopf, während dein Freund sich gerade das Shirt über den Kopf zieht, seine Lippen auf deine krachen, und du sie kaum mehr spürst, weil sie so sehr pochen. Er drückt dir das Blut im Unterkörper ab, weil er sich auf deinen Bauch gesetzt hat, und das Blut rauscht dir in den Ohren wie der Verkehrslärm vor der Tür. Seine Hände kratzen wie Sandpapier auf deinen Wangen und du bist fast schon erfreut, als er dazu übergeht, deine Brüste in dein Gehirn zu pressen. Die Erinnerung an ein kleines Kind, das du am Vormittag noch in den Händen hieltest und dich mit einer bedingungs- und grundlosen Seeligkeit anschaute, schießt dir in den Kopf, sodass du gar nicht merkst, dass er innehält, sich zu dir herunter lehnt und deinen Blick einfängt, um seine Worte zu intensivieren. Ich liebe dich. Ohne auf eine Antwort zu warten streicht er dir über die Wange, und du meinst, die Bräune seiner Handflächen zu spüren, die sich wie flüssiges Karamell auf deiner Haut anfühlt. Seine Lippen wie die Rosenblätter in den Sammelstätten der Clubmitglieder. Sein Körper an deinem ist so warm, vielleicht ist es die physikalische Reibung der statischen Elektrizität, aber vielleicht ist es einfach der Funke zwischen euch, der das Licht spendet, um das Unsichtbare zu sehen.
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Carcinosinum
Sie war eines dieser bestimme Mädchen. Eines derjenigen, die von ihrer zerbrochenen Familie weg lief, die sie einfach nicht wieder gerade rücken konnte. Nichts, was sie tat, änderte irgendetwas. Nichts, das sie sagte, auch wenn es ein stummer Schrei war. Nichts, was sie nicht gegen sich selbst richtete, hatte Wirkung. Und so lernte sie, wie man die Welt änderte. Man änderte sich selbst. Ihr Körper wurde das Schlachtfeld, das Aushängeschild des Innenlebens der Familie. Überall Kratzer, Wunden, Einschnitte, Sprünge, Risse, Brüche. Höhen und Tiefen, wie Temperaturamplituden war das Familienleben: Manchmal warm, manchmal vereist. Manchmal hungrig und abgemagert, aber auch zu anderen Zeiten üppig und wohl genährt. Manchmal rund, manchmal eckig. Eines Tages lief sie weg, und kam nie wieder nach Hause. Das zu Hause war nicht mehr das, was es einmal war. Sie lebte geschlagene 14 Monate in einer Klinik, zwischen Angel und Tür, niemals dort, aber auch niemals da. Dann lebte sie in einem Heim. Dann bei irgendwelchen Männern, die in der Nacht ihre Wunden verschlossen. Sie lag wach, als ihre Wunden mit stechenden Fingern zurückverfolgt wurden. Die zerklüfteten Einbuchtungen ihrer Vergangenheit wurden eingekesselt und mit Lippen geküsst, als wären es Trophäen. Sie war eine Lücke, die jeder misste. Ihre Augen waren weiter weg von einer Kindheit, als ihr Herz von der Hoffnung. Gebete sprangen von der Klippe ihrer Lippen wie Lachen; sie glaubte nicht an sich, aber in Jesus mehr als alles andere. Zu viele Dinge hatten sie in die Knie gezwungen. Auch wenn der Spachtel die Löcher in ihr nur unnatürlich und kurzfristig schließen konnten, und so fremd erschienen, hielt es sie immerhin fest und zusammen, bevor sie zerbrechen konnte. Destruction is a form of creation, sagte sie oft.
Sie sagte es. Sie war eines dieser bestimmten Mädchen. Sie war es.
Ich vermisse sie.
Sie sagte es. Sie war eines dieser bestimmten Mädchen. Sie war es.
Ich vermisse sie.
Rape me, Rape me my friend
Das erste Mal, als meine Mutter das Wort "Rape" in den Mund nahm, da dachte ich, es würde 'rauben' bedeuten. Wenige Monate später erfuhr ich die echte Bedeutung. Denn ich war um das Wertvollste beraubt worden, das ich besaß. Ein Dieb zwischen meinen Beinen. ">Manche Frauen achten darauf immer schöne Unterwäsche zu tragen, für den Fall, dass sie einen Unfall haben. Ich achte darauf, immer schöne Unterwäsche zu tragen, für den Fall, dass ich vergewaltigt werde.", schrieb eine Frau in einem Buch, das ich einmal las, zu einer Zeit, in der ich mir noch in anderen Schicksalen Trost und Weisheit erhoffte. Ich weiß nicht mehr, welches es genau war. Ich gehöre nun zu einer Statistik. Ich bin eine stille Zahl in einer Statistik, eine stille. Es kam nie zur Anzeige, ich war ja nur 10 Jahre alt. Er gab diesen Kleidungsstücken eine neue Bedeutung. Diese Unterwäsche trug ich nie wieder. Ich trage ihn in mir, denn er war der erste und nicht der Letzte, der meinen Körper so kennen lernte. Aber ich besitze die Unterwäsche noch immer. Ich trage ihn mit mir, weil ich die Narben mit mir trage. Sie unterscheiden sich zwischen den geraden, geplanten Narben aus meiner Hand. His bruising kisses, nannte ich sie damals in einem Gedicht. Seine Fingerspitzen, gelb, hinterlassen gelbe, grüne und Blaue Flecken auf meiner Haut. Seine Fingerspitzen, gelb, in einem Moment die Zigarette in der Hand haltend, im anderen meine Oberschenkel, um sie zur Seite zu pressen. Seine brüchigen Nägel, die sich in mein weniges Fleisch bohren, tiefer, als er glaubt, und die Abdrücke werden für immer bleiben. Blood stains, not that it matters, what remains is perfectly scattered. Bedeckte, hilflose Arme, die sich wehren wollten, aber er legte mir Fesseln an, die bis heute nicht gelöst sind. Er sah die roten Tränen, aber er leckte sie nur auf und ergötzte sich an ihnen. Tiefgehenden Streicheleinheiten, die tiefer unter die blasse, sonst so hauchzarte, schleierhafte Haut gingen. Man sieht noch immer die einst blutigen Liebesgeständnisse auf meiner Haut. Niemand hat sie bisher zu sehen bekommen. Und diese, die es sahen, dachten, ich hätte sie mir selbst zu gefügt. Meine Schuld. Ich wollte es ja. Ich habe es heraus gefordert.
Jedes Mal, wenn ich Jules in die Augen blicke habe ich Angst. Man hat mir mehr als neine Jungfräulichkeit geraubt. Man hat mir meine Freiheit geraubt. Die Freiheit, ein unbelastetes Leben führen zu dürfen.
Jedes Mal, wenn ich Jules in die Augen blicke habe ich Angst. Man hat mir mehr als neine Jungfräulichkeit geraubt. Man hat mir meine Freiheit geraubt. Die Freiheit, ein unbelastetes Leben führen zu dürfen.
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